
Nur wenn Ziele und Werte passen, läuft der Motor
Sicher haben auch Sie schon erlebt, dass Sie mehr leisten, wenn Sie an das glauben, was Sie tun. Und nur wer selbst überzeugt ist, überzeugt auch andere – das ist nicht neu. Dennoch gelingt es Vielen nicht. Vielen Menschen fehlen offenbar solche persönlichen Ziele, aus denen immer wieder Kraft und Leistung hervorsprudelt – oder sie haben sie bisher verdrängt.
Kompakt
- Persönlich wertvolle Ziele sind die Motoren zu ihrer eigenen Umsetzung, da sie Motivation und Kraft freisetzen – aber nur für denjenigen, der sich wirklich mit diesen Zielen identifiziert.
- Persönliche Ziele und persönliche Werte müssen miteinander korrespondieren. Zielkonflikte wirken wie Blockaden. Nur, wer sich seiner wahren Werte bewusst wird, kann diese Blockaden beseitigen.
Komplett
Manche Menschen bringen mehr als 100 Prozent Leistung. Sie setzen sich mit den Wünschen und Anforderungen ihrer Kunden, Vorgesetzten und Mitarbeiter auseinander. Sie gründen vielleicht sogar eine Firma oder leiten eine Filiale. Sie kämpfen gegen die schlechte Konjunktur. Oder sie bauen ein Haus, kümmern sich um ihre Familie und vieles mehr. Diese Menschen sind mit nahezu unerschöpflicher Kraft am Werk. Ihre persönlichen Ziele sind gleichzeitig die Motoren zu deren Umsetzung. Denn sie motivieren diese Menschen, all ihre Kraft dafür aufzubringen, zu sammeln und zu bündeln. Das funktioniert aber nur, wenn es auch die richtigen Ziele sind. Das heißt, wenn es "wert-volle" Ziele sind. Wenn es Ziele sind, die sie wirklich im Innersten erreichen wollen – weil sie sich selbst mit diesen Zielen identifizieren.
Persönliche Ziele beruhen auf persönlichen Werten. Wenn Sie sich – beruflich oder privat – Ziele setzen, die nicht mit Ihren innersten Wertvorstellungen übereinstimmen, dann werden Sie nur schwer die Kraft aufbringen, diese zu erreichen. Oder Sie werden sie erreichen und dann womöglich doch nicht glücklich über den Erfolg sein.
"Mögen all Deine Wünsche wahr werden", ist ein alter chinesischer Fluch.
Denn was sich Menschen wünschen und was ihnen tatsächlich hilft, ihrem inneren Weg zu folgen und kongruent zu ihren inneren Einstellungen und Werten zu leben, ist häufig ganz und gar nicht dasselbe. Wer kennt nicht die Geschichten von ausgebrannten Jungmanagern, die in kurzer Zeit viel Geld verdient, tolle Autos gekauft, schöne Frauen geheiratet, große Häuser gebaut ... und dann tiefe Krisen durchlebt haben. Auch wenn diese eher die Ausnahme sind – wer einmal eine solche oder ähnliche Sinnkrise durchleben musste, wird zwangsläufig sein bisheriges Leben und auch seine bisherigen Ziele einer genauen Prüfung unterziehen. Klar! Denn nur wenn die erreichten Ziele auch den eigentlichen Werten entsprechen (in dem Sinne, dass sie dem Menschen wirklich eigen und deshalb auch wertvoll sind), wird ihre Erlangung ein Gefühl von Glück und Erfolg auslösen. Denn Erfolg heißt, die richtigen Ziele zu erreichen. Die richtigen Ziele sind die, die mit Ihren persönlichen Werten in Übereinstimmung stehen.
Obwohl also die eigenen Werte die innersten Beweggründe jedes Menschen sind, scheinen sich die wenigsten dieser Werte bewusst zu sein.
Machen Sie selbst den Test: Können Sie spontan die drei Werte nennen, die Ihnen in Ihrem Leben am wichtigsten sind? Das kann fast niemand. Obwohl es so wichtig ist, sich darüber im Klaren zu sein!
Stellen Sie eine Liste der zehn Werte auf, die Ihnen für ihr Leben wirklich wichtig sind. Nehmen Sie sich genug Zeit dafür, denn es ist viel schwieriger, als es klingt. Achten Sie darauf, Worte zu nutzen, die grundlegende Werte und Geisteshaltungen ausdrücken – also nicht: "ein schönes Leben haben", sondern "Freiheit", "Anerkennung", "Begeisterung", "Disziplin", "Verlässlichkeit", "Macht", "Toleranz" und so weiter. Es geht in dieser Aufstellung nur um Sie selbst – nehmen Sie keine Rücksicht auf vermutete Ansprüche der Familie oder der Gesellschaft an sie. Ganz wichtig: Bewerten Sie selbst diese Werte nicht nach "erwünscht", "besser oder schlechter" oder "unerreichbarer Wunschtraum". Wenn "Frieden" für Sie ein Wert ist, dann schreiben Sie dies auf.
Stellen Sie jetzt eine zweite Liste von zehn Werten auf, die Ihnen in beruflicher Hinsicht wichtig sind. Machen Sie sich dabei frei von dem, "was der Markt verlangt", und auch von Ihren Vermutungen zu einem möglichen Wertesystem Ihres jetzigen oder künftigen Arbeitgebers. Seien Sie auch hier möglichst präzise, indem Sie grundlegende Bezeichnungen suchen wie zum Beispiel "Abwechslung", "Gerechtigkeit", "Kompetenz", "Führung", "Kreativität", "Teamgeist", "Gestaltungsfreiheit", "Freizeit", "Tradition", "Prestige" oder "Pünktlichkeit". Sie sollten sich auch für diese Aufstellung soviel Zeit nehmen, wie nötig ist.
Gleichen Sie die beiden Listen miteinander ab. Finden sich Werte gleichermaßen auf beiden Listen? Finden sich widersprechende Werte? Wenn Ihnen im privaten Leben die Familie ein wichtiger Wert ist, im beruflichen Leben aber Abwechslung, Freiheit oder Wettbewerb kann das auf einen Wertekonflikt hindeuten.
Wenn Sie die Ergebnisse der Listen abgleichen, werden Sie sich vermutlich erst einmal wundern. Aus der Erfahrung mit der "Wertearbeit" kann man sagen, dass die meisten Menschen nahezu erstaunt darüber sind, was ihnen wirklich wichtig ist. Weil sie
- bisher vieles von anderen übernommen haben,
- in einer bestimmten Richtung erzogen wurden,
- sie Wertesysteme bisher als "passend" oder "positiv sanktioniert" empfunden haben.
Denken Sie daran, dass Werte nicht gut oder schlecht sind. Das Wertesystem Ihrer Umwelt, Ihres Partners oder Ihres Arbeitgebers ist genauso plausibel und "wahr" wie Ihres – es ist auf eine bestimmte Art von Erfolg ausgerichtet. Und das ist Ihres auch, denn Erfolg macht Freude. Und die menschliche Natur trachtet ja bekanntlich danach, Freude zu erleben.
Wenn Sie diese ersten Schritte vollziehen, setzen Sie einen Prozess in Gang. Den Prozess, ein genaueres Verständnis davon zu entwickeln, was wirklich wichtig in Ihrem Leben ist, was Sie selbst im Innersten antreibt – und wie Sie nach Ihren eigenen Werten leben können. Die Übereinstimmung zwischen Ihren eigentlichen Werten und den persönlichen und beruflichen Zielen erfordert einen weiteren Prozess, in dem sich für Sie möglicherweise einiges umstellt, der Sie aber auch persönlich weiterbringt.
Dr. Christiane Gierke






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