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Teuer, teuer – Basel II und MiFID

Journalistischer Artikel
Haufen Euroscheine als Cartoon dargestellt

Das addiert sich ... (rf)

Die auf internationaler Ebene angesiedelten Regulierungsvorhaben MiFID und Basel II verursachen Schätzungen zufolge Kosten im zweistelligen Milliardenbereich. Beide werden 2007 akut. Die Unternehmensberatung Accenture rechnet mit etwa 1,2 Milliarden Euro, die allein im Zuge der neuen MiFID-Richtlinie auf die gesamte europäische Finanzbranche zukommen wird. Wesentlich höher schätzt der Software-Konzern Sun Microsystems die Kosten ein: Er geht von fast 12 Milliarden Euro aus.

Kompakt

  • Die beiden großen Regulierungsvorhaben 2007 – Basel II und MiFID – kosten die deutsche und europäische Finanzbranche Milliarden.
  • Die Kosten der MiFID hängen im Wesentlichen von der jeweiligen Unternehmensgröße ab.
  • Basel II verursacht je nach gewähltem Ansatz größere oder kleinere Kosten.

Komplett

Die deutschen Finanzdienstleister kalkulieren dagegen deutlich geringeren Kosten ein. Dies zeigt eine Umfrage des E-Finance Lab der Universität Frankfurt, die 193 Anbieter nach ihrer Einschätzung zur Umsetzung der MiFID befragten. Die Einschätzung der zu erwartenden Gesamtkosten schwankt dabei  je nach Unternehmensgröße zwischen einigen Hunderttausend Euro und zweistelligen Millionenbeträgen. Auffällig ist, dass vor allem die großen Unternehmen mit einer Bilanzsumme größer als 100 Milliarden Euro sehr unterschiedliche Kostenprognosen abgegeben haben. Die Kostenschätzungen reichen von einer halben Million bis über 20 Millionen Euro.

Der  größte Kostenfaktor der neuen MiFID-Regeln liegt in der Erfüllung der Best Execution Anforderungen. Sie verpflichten Finanzdienstleister, ihren Kunden die jeweils günstigste Lösung eines Auftrages zu suchen und anzubieten. Sie müssen vor und nach dem Handel wesentlich mehr Transparenz schaffen und nachweisen können, dass sie das beste Ergebnis für den Kunden erzielt haben. Dies erfordert nicht nur Echtzeitverbindungen zu einer Vielzahl regulierter Märkte, sondern auch die Analyse historischer Daten über Märkte, Papiere und Handelspartner. Zudem müssen diese Daten über fünf Jahre aufbewahrt werden. Entsprechend aufwändig sind die notwendigen Umstellungen.

Das zweite finanzielle Mammutprojekt 2007 ist Basel II. So geht der Bundesverband deutscher Banken davon aus, dass große Banken in Europa bereits dreistellige Millionenbeträge in die Basel II-Umstellung investiert haben. Wie teuer die individuelle Risikoerfassung für die einzelne Bank wird, hängt von dem gewählten Bewertungsansatz ab. Hier können die Banken zwischen drei Verfahren wählen: Neben einem so genannten Standardansatz, der praktisch mit Basel I identisch ist und eine vergleichsweise geringe bankeigene Datenerhebung erfordert, sind zwei so genannte interne Ansätze möglich. Bei dem ersten, dem so genannten Basisansatz für interne Ratings (IRBA), basiert die Messung von Kreditrisiken auf interner Ratings der Kreditnehmer. Der zweite so genannte fortgeschrittene IRBA basiert ebenfalls auf internen Ratings, bietet aber weitere Verfeinerungen der Risikokontrollen.

So unterschiedlich wie die Bewertungsansätze sind auch die damit verbundenen Kosten. So investiert die Commerzbank nach eigenen Angaben 100 bis 120 Millionen Euro in Basel II. Sie setzt ebenso wie Deutsche und Dresdner Bank den komplexesten der drei Ansätze ein. Dagegen rechnet die Taunus-Sparkasse, die den Basissatz verwenden will, mit Kosten in Höhe von zwei Millionen Euro.

Wie hoch die Gesamtkosten für Basel II für die deutsche Finanzbranche ausfallen werden, lässt sich allerdings bislang noch nicht abschätzen. Obwohl das Gesetz seit Jahresbeginn in Kraft getreten ist, hatte die Finanzaufsicht Bafin zu diesem Zeitpunkt erst sechs Genehmigungen an Banken erteilt. Zu den ersten gehörten die Postbank und die Landesbank Rheinland-Pfalz, die interne Systeme zur Risikomessung benutzen. Die Mehrzahl der Banken nutzt dagegen die vom Gesetzgeber vorgesehene Übergangslösung, nach der sie die Einführung von Basel II bis Anfang 2008 verschieben können.


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