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Hedgefonds – Kontrollbedarf weiter umstritten

Journalistischer Artikel

Hedgefonds keinen Zwang antun

Die deutsche G8-Initiative zur Regulierung von Hedgefonds ist ins Stocken geraten – das Treffen der G7-Finanzminister Anfang April in Washington hat keinen Durchbruch gebracht. Nun hofft Deutschland zumindest auf eine Art Verhaltenskodex für diese Branche. Dagegen stellen sich vor allem die USA und Großbritannien, die jede Art von Überwachung der Anlage- instumente skeptisch sehen.

Kompakt

  • Derzeit arbeitet das Forum Finanzmarktstabilität daran, ein bereits im Jahr 2000 erstelltes Gutachten über stark kreditfinanzierte Institutionen zu aktualisieren.
  • Bis zur nächsten Tagung der G-7-Finanzminister im Mai soll ein Bericht über das Risikopotenzial der Fonds vorliegen.
  • Eine vom US-Finanzminister geleitete Arbeitsgruppe hat sich dafür ausgesprochen, dass Hedgefonds in Zukunft mehr Informationen über ihre Tätigkeit und Anlageentscheidungen offen legen.

Komplett

Es sah so aus, als habe sich Deutschland angesichts des Widerstands schon vor Beginn des Gipfels von seinem Ziel verabschiedet, mehr Transparenz bei den hochspekulativen und kapitalkräftigen Hedgefonds zu schaffen. Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), der die Hedgefonds-Initiative als zentrales Projekt der deutschen G8-Präsidentschaft betrachtet, hatte sich bereits vor Wochen entschieden, seinen Familienurlaub in Afrika nicht für das Treffen zu unterbrechen.

Steinbrück ließ sich von Staatssekretär Thomas Mirow vertreten. Das einzige konkrete Ergebnis, dass Mirow mit nach Hause bringen konnte, war der Einstieg in eine direkte Diskussion mit Branchenvertretern.  Ein Gespräch mit 20 Managern der wichtigsten Hedgefonds – darunter auch  Vertreter von Blackstone und Cerberus  – am Rande der Tagung habe mehr Informationen  über die Geschäftstätigkeit, die Beteiligungen und die Finanzierung der weltweit operierenden Hedgefonds gebracht.

Die neuen Daten kann die deutsche Delegation gut gebrauchen. Derzeit arbeitet das Forum Finanzmarktstabilität daran, ein bereits im Jahr 2000 erstelltes Gutachten über stark kreditfinanzierte Institutionen zu aktualisieren. In dem Gremium sind die Notenbanken, Finanzministerien und Aufsichtsbehörden vertreten. Bis zur nächsten Tagung der G-7-Finanzminister im Mai soll ein Bericht über das Risikopotenzial der Fonds vorliegen. Auf dieser Basis könnte dann beim Treffen der Staats- und Regierungschefs Anfang Juni in Heiligendamm ein förmlicher Auftrag zur Ausarbeitung eines Verhaltenskodex erteilt werden.

Einig scheinen sich die G7-Mitglieder darüber zu sein, dass mehr Offenheit in der schnell wachsenden Hedefonds-Branche nötig ist. Im Gegensatz zu Banken können die Fondsgesellschaften weitgehend ohne behördliche Aufsicht arbeiten. Zudem unterliegen  Hedgefonds im Gegensatz zu Aktienfonds keinerlei Beschränkungen bei ihren Geschäften. Sie können hochriskante Wetten wie Carry Trade Geschäfte abschließen oder auf fallende Kurse setzen. Oft haben sie ihren Sitz auf Inseln wie den Bermudas oder den Caymans, wo es keine Aufsichtsämter gibt.  

Wie groß die Gefahren für die Stabilität des internationalen Finanzwesens sind, die von dieser schnell wachsenden Branche ausgehen, zeigt  der Blick auf die Zahlen.  Derzeit gibt es Schätzungen zufolge 9.000 Hedgefonds, die 1,4 Billionen Dollar verwalten. Die meisten Fonds haben ihren Sitz in den USA und Großbritannien. In Deutschland gibt es etwa 40 Fonds, die 2,6 Milliarden Euro verwalten.

Angesichts des starken Wachstums der Hedgefonds-Branche wird inzwischen auch in den USA mehr Wachsamkeit gefordert. Eine vom US-Finanzminister geleitete Arbeitsgruppe hat sich dafür ausgesprochen, dass Hedgefonds in Zukunft mehr Informationen über ihre Tätigkeit und Anlageentscheidungen offen legen. Konkrete Auflagen oder gar Gesetze lehnt das Gremium aber ab. "Da Hedgefonds mit sehr fortgeschrittenen Geschäftspartnern und Investoren arbeiten und keine Ansprüche an das bundesstaatliche Sicherheitsnetz besitzen, ist eine geringe Regulierung größtenteils gerechtfertigt", erklärte US- Notenbankpräsident und Arbeitsgruppenmitglied Ben Bernanke in einer Rede. Zudem verwies er darauf, dass das schnelle Wachstum der Hedgefonds eines der wichtigsten Entwicklungen an den US-Finanzmärkten in den vergangenen zehn Jahren gewesen sei. Deshalb sei eine zu starke Regulierung der Branche gefährlich. Steffen Christ