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Interesse an Nachhaltigkeit steigt

Expertenbericht

(rf)

In Deutschland wächst der Markt für nachhaltige und ethische Fonds. Ende 2006 betrug das Gesamtvolumen der in Deutschland zugelassenen Fonds 13,4 Milliarden Euro – ein Zuwachs von über 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Kompakt

  • Bisher galten nachhaltige Investments als Nischenprodukt, das nur für Anleger interessant war, die ihre ethischen Grundsätze vor den eigentlichen Profit stellten.
  • Nachhaltige Fonds erwirtschaften im Schnitt zumindest keine schlechteren Rendite als normale Fonds.
  • Zugleich bergen nachhaltig ausgerichtete Unternehmen oftmals ein geringeres Anlegerisiko.

Komplett

Nachhaltige Investitionen, die ökologische und soziale Ziele mit wirtschaftlichen Investitionsentscheidungen verbinden, werden bei den deutschen Anlegern immer wichtiger. Obwohl das Thema Social Responsible Investment (SRI) in Deutschland noch nicht so weit verbreitet ist wie in anderen Ländern, wächst die Nachfrage nach neuen Nachhaltigkeitsfonds weiter.

Wie eine Studie der ABN AMRO Asset Management zeigt, wissen nur 26 Prozent der Deutschen, dass diese neuen Fonds überhaupt existieren. Entsprechend investiert effektiv nur ein Prozent der deutschen Anleger tatsächlich in Nachhaltigkeitsfonds. Gleichzeitig weißt dies aber auch auf ein enormes Wachstumspotenzial hin. So würden nach Aussage der Studie 88 Prozent der europäischen Privatanleger, die bereits in solche Fonds eingezahlt haben, dies wieder tun.

Angebote, diesen potenziellen Markt zu bedienen, gibt es genügend. Alleine in Großbritannien sind etwas 90 ethische Einzelhandelfonds erhältlich und große Unternehmen wie die Royal London Asset Management sind in die Reihe der ethischen Einzelhandelsfondsanbieters eingetreten, mit einer Erstfondauflage von 35 Millionen Pfund (51 Millionen Euro).

Bereits im Jahr 1971 wurde der erste ethische Fonds, der Pax World Fonds, aufgelegt und erwirtschaftete in den vergangenen zehn Jahren eine durchschnittliche jährliche Rendite von 9,85 Prozent.
Der Standard & Poor's 500 Index legte im selben Zeitraum vergleichsweise geringfügig mehr, um 12,9 Prozent, zu.

Bis heute ist die Entwicklung der Nachhaltigkeitsfonds immer weiter voran geschritten. Im Jahr 2006 lag die durchschnittliche Performance der Nachhaltigkeits-Fonds mit 6,9 Prozent sogar über dem Schnitt globaler Aktienfonds (4,1 Prozent), jedoch überboten die Aktienfonds diese beim Drei-Jahres-Vergleich von minus 8,7 Prozent leicht (minus 9,4 Prozent).

Auch in Deutschland wächst der Markt für nachhaltige und ethische Fonds. Ende 2006 betrug das Gesamtvolumen der in Deutschland zugelassenen Fonds 13,4 Milliarden Euro – ein Zuwachs von über 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so eine Auswertung des Dortmunder Branchendienstes ECOreporter.

Bis jetzt galt diese Art der Anlage immer als Nischenprodukt, das nur für Anleger interessant war, die ihre ethischen Grundsätze vor den eigentlichen Profit stellten. Doch diese Einstellung muss unter den heutigen Gesichtspunkten revidiert werden. Die Veränderung in der Umwelt und Gesellschaft und das damit einhergehende größere Bewusstsein der Anleger, lassen die Nachhaltigkeitsfonds zu exzellenten Anlageoptionen heranwachsen.

Am 31. Januar 2007 setzte sich die Co-operative Insurance Sustainable Leaders Trust mit ihrer Performance an die Spitze der rund 320 englischen Investmentgesellschaften. Mit einem Ertrag von 29,3 Prozent brachte dieser Fond seinen Anlegern mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Sektors ein (13,2 Prozent).

Und zusätzlich wird dies von einer Reihe von Studien unterstrichen: Nachhaltige Fonds erwirtschaften im Schnitt zumindest keine schlechteren Rendite als normale Fonds. Analysen von europäischen und britischen Fondsdaten zeigen, das der Geldfluss zu ethisch geführten Fonds nie versiegt – also eine höhere Regelmäßigkeit verspricht, als zum Beispiel Fonds aus dem High-Tech-Sektor, deren Zuflüsse stark schwanken.

Aber nicht nur die Rendite zählt im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsfonds. Entscheidend ist, dass nachhaltig ausgerichtete Unternehmen oftmals ein geringeres Anlegerisiko bergen. Sie können nicht nur das positiven Image nutzen, sondern oftmals auch von vielen handfesten Vorteilen profitieren. Umweltfreundliche Produktionen sparen nicht nur Energie und Rohstoffe, sondern sie können sich auch bei Verschärfungen der Umweltgesetze einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Entscheidend für die positive Bewertung des nachhaltigen investieren sind nicht zuletzt die unterschiedlichen Börsenbarometer für nachhaltige Anlagen. Konkret klammert der 2001 im Rahmen der FTSE Indexreihe gestartete „FTSE4Good“ ganze Branchen aus, die zum Beispiel mit Rüstung oder Alkoholverbreitung zu tun haben. Der Dow Jones Sustainability Index, der 1999 als erster weltweiter Nachhaltigkeitsaktienindex lanciert wurde, verfolgt den Best-in-Class-Ansatz, bei dem aus 2.500 Unternehmen des Dow Jones Global Index die zehn Prozent der am nachhaltigsten wirtschaftenden Unternehmen aus jeder Branche ausgewählt werden.

Für die willigen Anleger stehen eine ganze Reihe von gut bewerteten Nachhaltigkeitsfonds zur Verfügung. Unternehmen wie SAM, UBS, Activest, Sarasin usw. haben eine Vielzahl der Fonds mit unterschiedlichen Schwerpunkten aufgelegt. So investiert der SAM Sustainable Water Fund ausschließlich in zukunftsfähige Unternehmen, die Technologien, Produkte oder Dienstleistungen mit Bezug zur Wertschöpfungskette Wasser anbieten oder diesem eine besondere Bedeutung zuordnen.

UBS bietet als Gegenstück den UBS (Lux) Equity Fund – Eco Performance – an. Dies ist ein internationaler Aktienfonds, der sich auf Unternehmen spezialisiert hat, die eine überdurchschnittliche ökologische, soziale und ökonomische Leistung erbringen und ein interessantes Wachstumspotenzial aufweisen.

Aber auch allgemeine Nachhaltigkeitsfonds, wie  den Sarasin Sustainable Equity Fund, werden ausreichend angeboten. Der Fonds investiert in Aktien von Unternehmen, die einen Beitrag zur nachhaltigen Wirtschaftsweise leisten. Dabei wird das Fondsvermögen bei den jeweiligen Branchenführern angelegt, die umweltgerechtes und sozialverträgliches Management betreiben und damit auch wirtschaftlichen Erfolg haben.

Als eine immer wichtiger werdende Informationsquelle gelten bei Investoren – und zunehmen auch bei Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen, Kirchen und auch Privatleuten – so genannte Nachhaltigkeits-ratings. Sie werden von spezialisierten Agenturen wie Oekom Research, Scoris GmbH oder Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft e. V. (imug) erstellt. Mit einem guten Rating können Unternehmen in Nachhaltigkeitsindizes aufgenommen zu werden. Dort notiert zu sein, ist für Konzerne ein bedeutender Aspekt im Bezug auf ein gutes Image. Diese Sicherheit für die Anleger zahlt sich im Gegenschluss auch für die Unternehme aus, denn die an nachhaltigen Anlagen interessierten Anleger bleiben ihren Aktien erfahrungsgemäß länger treu.

Der Trend für diesen Markt ist positiv. Große Firmen wie JP Morgan legen weitere Fonds auf. Die britische Rating-Agentur Ethical Investment Research Services (Eiris) plant die Einführung eines Ratings für Nachhaltigkeitsfonds, um den Anlegern das wirkliche Bild der aufgesetzten Fonds zu vermitteln. Das Thema der ethischen, umweltfreundlichen und nachhaltigen Fonds wird in den Köpfen der Anleger an Bedeutung gewinnen. Viele können mit einer solchen Investition ihren eigenen Lebensstil auf ihre Anlagestrategie übertragen. Das ethische Etikett ist schon immer ein sehr starkes Marketing-Tool gewesen, wenn es darum ging, mit Privatinvestoren zu kommunizieren. Aber nicht nur Privatleute, sondern vermehrt auch Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen und Kirchen verwalten ihr Vermögen mehr und mehr nach nachhaltigen Gesichtspunkten. Klaus Rainer Kirchhoff