
Negative Botschaften – klar, unmissverständlich, fair
Kompakt
Beim Überbringen negativer Botschaften gehört zur Verantwortung einer Führungskraft
- die negative Botschaft klar und unmissverständlich zu kommunizieren,
- nicht zu rechtfertigen, sondern loyal zu der Unternehmensentscheidung zu stehen,
- nicht zu diskutieren, wo es nichts zu diskutieren gibt,
- die betroffene Person menschlich und fair zu behandeln und
- wenn möglich, Hilfe und Unterstützung zu bieten
Komplett
Überbringer schlechter Nachrichten werden nicht geliebt. Deshalb muss sich eine Führungskraft darauf einstellen, dass solche Gespräche selten angenehm sind. Ein Überzeugen des Mitarbeiters wird oft nicht möglich sein, auch wenn sich manchmal neue Möglichkeiten und Chancen abzeichnen. In jedem Fall sollte man sich vor leeren Versprechungen und dem Schüren falscher Hoffnungen hüten.
Werden Stellen gestrichen und Kündigungsgespräche notwendig, so sollte das Ziel dieser Gespräche sein, dass der betroffene Mitarbeiter die Kündigung akzeptiert. Eine Kündigung ist immer ein gravierender Einschnitt in das Leben eines Menschen, unabhängig davon, ob sie betriebs- oder persönlichkeitsbedingt ist. Trotzdem wäre es falsch zu glauben, ein Mensch würde damit zwangsläufig ins Unglück stürzen. Niemand weiß, wie sich diese Veränderung auf das zukünftige Leben auswirkt. Nicht jeder wird depressiv. Viele überwinden diese Schicksalsschlag, beginnen etwas Neues und wenn Sie einem nach Jahren begegnen, kann es sein, dass dieser Mitarbeiter sagt: "Es was Besseres hätte mir damals nicht passieren können."
Da Gespräche grundsätzlich immer auf der Inhalts- und Beziehungsebene ablaufen, ist es bei Kündigungsgesprächen besonders wichtig, den Mitarbeiter auf der Beziehungsebene fair und menschlich zu behandeln. Banalitäten äußern, wie "Na, das wird schon wieder werden" oder „Jetzt lassen Sie mal nicht gleich den Kopf hängen“ sind unpassend. Nichts beschönigen sondern klar und unmissverständlich die negative Botschaft kommunizieren, lautet die Devise: "Herr M. hiermit kündige ich Ihnen zum… und wünsche Ihnen alles Gute auf Ihrem zukünftigen Lebensweg". Danach ist eine längere Pause angesagt, denn selbst wenn ein Mitarbeiter mit einer Kündigung rechnet, ist es doch immer ein Schock, wenn sie ausgesprochen wird.
Wie das Gespräch weitergeht, hängt von der Reaktion der betroffenen Person ab. Wichtig ist, sich nicht zu rechtfertigen und vor allem nicht zu argumentieren. Zu jedem Argument gibt es ein Gegenargument. Natürlich muss dem Mitarbeiter der Kündigungsgrund genannt werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass man mit ihm darüber diskutiert. Sie hören ihm zu, zeigen Verständnis für seine Gefühle, bleiben in der Sache jedoch hart. Falls Hilfe vonseiten des Unternehmens angeboten wird, wie Weiterarbeit in einer Auffanggesellschaft oder Schulungsmaßnahmen oder eine Outplacementberatung, so sollten sie dem Mitarbeiter dies erst sagen, wenn er sich wieder gesammelt hat.
Doch nicht nur Kündigungsgespräche sind unangenehm. Sehr empfindlich reagieren Mitarbeiter auch bei Gehaltskürzungen. Gerade infolge einer Ausgliederung werden die Betroffenen oft nach einem schlechteren Tarif entlohnt. Dabei geht es nicht nur um den materiellen Verlust, es wird dabei in der Regel auch der Status eines Menschen berührt. Hier ist es besonders wichtig, die persönliche Wertschätzung auszudrücken, um zu zeigen, dass es nicht die persönliche Qualifikation des Mitarbeiters ist, die zu einer geringeren Entlohnung geführt hat. Auch hier kann man nicht überzeugen, sondern in einem Gespräch lediglich erreichen, dass der Mitarbeiter diese Maßnahme akzeptiert.
Bei einer Versetzung in ein neues Aufgabengebiet oder bei technischen Neuerungen lassen sich Mitarbeiter häufig von Gefühlen wie Bequemlichkeit und Angst leiten. Diese lassen sich nicht wegdiskutieren sondern nur durch andere, positive Gefühle relativieren. Man kann den Mitarbeiter daran erinnern, dass man etwa vor einem Erholungsurlaub oder einem Umzug in eine schönere Wohnung auch viele Unbequemlichkeiten und Stress in Kauf nimmt und trotzdem nicht darauf verzichtet. Genauso ist es mit vielen Neuerungen am Arbeitsplatz. Auch hier ist es oft schwierig, bis der Umstellungsprozess vollzogen worden ist. Doch danach will in der Regel niemand mehr zum Alten zurückkehren. Dr. Gudrun Fey
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